HISTORISCHER RÜCKBLICK

Weingut Hof Nünberg

Die Burg Frauenstein wurde im Jahre 1200 von einem Ritter Siegfried auf einem Felsvorsprung des Spitzen Steins errichtet, worauf sich die Familie "von Vrowenstein" nannte.

Vor mehr als 750 Jahren setzte die Entwicklung des Ortes Frauenstein im Umkreis der Burg ein, und im Jahre 1300 waren mehrere Ritter Eigentümer der Burg.

Bald gelangten Ortschaft und Burg durch Verkauf in den Besitz des Erzstiftes Mainz, was die Grafen des Hauses Nassau veranlaßte, die benachbarten Gebiete mit den Ortschaften Dotzheim und Schierstein durch die Anlage wehrhafter Höfe gegen die neuen Besitzer der Burg zu schützen.

Im 14. Jahrhundert wurden auf nassauischem Gebiet die Höfe Nürnberg, Rosenköppel und Sommerberg angelegt.

Im Jahre 1330 heiratete Graf "Adolph von Nassau-Wiesbaden" die Hohenzollern-Gräfin "Margarethe", eine Tochter des Burggrafen "Friedrich von Nürnberg". Es ist möglich, daß auf Grund dieser Verbindung der Name "Hof Nürnberg" entstand. Sicher überliefert ist, daß der Berg, auf dem "Hof Nürnberg" steht, "Nornberg" in den Gerichtsbüchern genannt wird.

Die alten Frauensteiner Winzer bezeichneten mit "norr" dürre, für den Ackerbau ungeeignete Flächen. Der schieferige "Nornberg" wurde zum Anbau von Reben gerodet, und diese gedeihten bis heute hervorragend auf dem "Hof Nürnberg".

Seit dem Jahre 1400 sind die Eigentümer und Pächter des Hofes lückenlos bekannt.

Es ist belegt, daß "Nornberger Gewächs" in die nassauischen Keller nach Wiesbaden und Idstein geliefert wurde.

Um das Jahr 1600 lebte der adlige Amtmann "Johann Friedrich von Stockheim" mit seiner Familie auf dem "Hof Nürnberg".

Während des 30-jährigen Krieges gehörte der "Hof Nürnberg" zeitweise zum Kurfürstentum Mainz. Nach Beendigung dieses Krieges trat Graf "Johann von Nassau" wieder in die Besitzrechte des Hofes ein.

Nachdem die gefürsteten Grafen "von Nassau" zwischen 1698 und 1744 das "Biebricher Schloß" erbaut hatten und dieses 1744 von "Fürst Karl" zur Nassauischen Residenz erklärt wurde, stieg der Bedarf an Weinen vom "Hof Nürnberg" beträchtlich.

Unter Napoleon's Druck kam es 1803 zum Reichsdeputationshauptbeschluß, der Vorstufe zum Ende des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation". Die geistlichen Territorien wurden eingezogen und an die Fürsten verteilt; die linksrheinischen Gebiete mußten an Frankfreich abgegeben werden. Frauenstein mit seiner Burg war wieder nassauisch geworden.

Am 6. Juli 1815 besuchte, der in Wiesbaden zur Kur weilende, "Johann Wolfgang von Goethe" den "Hof Nürnberg". In des Dichters Tagebuch findet sich der Vermerk: "zum Mittag gespeist auf dem Hofe und die prachtvolle Aussicht bewundert".
Der Eigentümer des "Hof Nürnberg" war "Friedrich August von Nassau", der als Rheinbundfürst 1806 zum "Herzog von Nassau" ernannt worden war.
1932 wurde zur Erinnerung an den "Goethe-Besuch" in der Nähe des "Hof Nürnberg" der "Goethestein" errichtet, der neben der "Tausendjährigen Linde" und dem "Heiligen St. Georg" ein Wahrzeichen von Frauenstein ist.

1918 ging der "Hof Nürnberg" für 440.000 Mark in den Besitz der Gemeinde Frauenstein über. Der Hof bestand aus zwei geräumigen, massiv gebauten Wohnhäusern, einem großen Weinkeller, Kelterhaus, Stallungen, Scheuern, Gesindehaus und 400 Morgen Ländereien, darunter 17 Morgen Weinberge. Der Grundbesitz wurde überwiegend an Frauensteiner Landwirte aufgeteilt, und auch der Gemeindeförster wohnte zeitweise auf dem Hof.
(1 Morgen = 25 ar, 1 ar = 100m² in Nassau)

Mit der Eingemeindung Frauensteins 1928 kam der Hof in den Besitz der Stadt Wiesbaden. Ein Obdachlosenasyl wurde auf dem Anwesen errichtet, und im Volksmund wurde der Hof "Teufelsinsel" genannt. Blitzschlag sowie Zerstörungen von Seiten der Obdachlosen trieben den Pächter dazu, den Hof 1934 zu verlassen. Ein neuer Pächter übernahm das Geschäft, doch auch dieser gab es 5 Jahre später in städtische Hände ab.

1939 pachtete die Familie Becker das Anwesen. Ein Jahr später wurde der Hof zum französchischen Kriegsgefangenenlager erklärt.

Der Aufbau auf dem Hof begann; 1943 wurden die ersten Rebstöcke gepflanzt. Trotz schwerer Not- und Hungerszeiten wurde nie an die Aufgabe des Hofes gedacht; seine schöne Lage und die guten Weine führten zur Gründung einer Straußwirtschaft mit anfangs 15 Sitzplätzen im Jahre 1949.

Der "Hof Nürnberg" entwickelte sich zu dem Ausflugslokal der Wiesbadener Bevölkerung. Wesentlich am Aufschwung des Hofes beteiligt war die gesamte Familie Becker; Für die Familie sei stellvertretend Karl Heinz Becker genannt, der weit über die Grenzen Wiesbadens bekannt und geachtet war und von seinen zahlreichen Freunden nie vergessen wird.


(Wir danken Herrn Karl-Heinz Altenhofen für den obigen geschichtlichen Rückblick.)